Biographie

Ansen ist Musikerin mit Doktortitel – wie das zusammenpasst? Sehr gut sogar. Aber der Reihe nach: 1989 in Brandenburg geboren, kommt Ansen das erste Mal mit der HipHop-Kultur in Kontakt als sie 11 Jahre alt ist und die Zwillinge Elisabeth und Isabel in ihrer Heimatstadt HipHop/Choreo tanzen sieht.

Den beiden – sie sind bis heute ihren besten Freundinnen und Stylistinnen – ist die 29-jährige bis heute genauso verbunden, wie der HipHop-Kultur. »Für viele ist HipHop ja gleich Rap, aber ich habe HipHop als Kultur über das Tanzen kennengelernt und war sofort von der Toleranz begeistert«, erinnert sich Ansen. »Im HipHop war es egal, wer du bist und was du für einen Background hattest.«

In den Jahren darauf singt Ansen im Schulchor, nimmt Gesangsunterricht, sammelt erste Bühnenerfahrung und singt Hooks für befreundete Rapper ein. Mit 16 unterschreibt sie ihren ersten Plattenvertrag und wird Mitglied der Popgruppe Buzz Girlz und tanzt bei Battles wie dem »HipHop Forever« in Amsterdam oder den deutschen Meisterschaften.

Als sie für ein Studium der Zahnmedizin nach Nürnberg zieht, lernt sie den Produzenten Fabobeatz kennen und beschließt, mit ihm Songs zu produzieren, die das Beste aus ihren musikalischen Welten vereinen: Pop und Rap, Songwriting und Sprechgesang. Zu der Zeit arbeitet Ansen 50 bis 60 Stunden in der Woche als Assistenzärztin und schiebt danach Schichten als Kellnerin, ehe es in den Morgenstunden zu Fabobeatz ins Studio geht.

»Fabo ist ein absoluter Perfektionist«, sagt Ansen und lacht. »Statt das erstbeste Ergebnis direkt zu veröffentlichen, hat er mich erstmal ins Bootcamp geschickt.« Ein Jahr lang schlägt Ansen sich mit Musikunterricht und Tanztraining die Nächte um die Ohren und schreibt in der Zeit über 800 Lieder – bis Fabo irgendwann sagt: »Das ist es!«

»Carpe Diem« ist es tatsächlich: Ein Song für den Augenblick und eine Hymne an den Moment, die binnen kürzester Zeit fünfstellige Klickzahlen sammelt. »Ich glaube, der Song kommt deshalb so gut an, weil ich eine positive Message rüberbringen möchte. Ich bin ein super positiver Mensch und glaube, dass Musik dazu da sein kann, jemandem gute Laune zu bereiten, dem es gerade schlecht geht.«

Aber natürlich steckt noch mehr in der Musik von Ansen. »In meinen Songs geht es um berauschende Partys, die große Liebe und alles, was in meinem Leben passiert – einfach ehrlich und ohne Filter. Wenn ich als Frau darüber rappe, dass ich einen One-Night-Stand hatte, dann mache ich das auch – ganz egal, ob das verrufen ist oder nicht. Und wenn ich auf einer Party eskaliere, dann schreibe ich da auch drüber. Ich bin einfach wie ich bin – egal, ob in meinen Songs oder den sozialen Netzwerken. Ich zeige jedem, was ich an plastischer Chirurgie machen lasse und fotografiere mich genauso auch mal ungeschminkt.«

Für Ansen ist das genau so wenig ein Thema, wie der Umstand, dass sie als ausgebildete Zahnärztin mit Doktortitel in der Tasche rappt. »Wenn Leute mich fragen, wie das beides zusammenpasst, ist das für mich kleinkariertes Denken. Was hat denn eine Kultur mit einem Berufsstand zu tun? Die Leute haben eben diese Stereotypen im Kopf, das HipHop eher ein Ding der Unterschicht ist, während die Zahnmedizin mit einer höheren sozialen Stellung assoziiert wird. Für mich existiert das beides völlig unabhängig voneinander und das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.«

Ansen macht sich nicht viel aus Schubladendenken – und vor allem einfach weiter ihr Ding. Mit »Bei dir« erscheint dieser Tage ihre neue Single mit dem Berliner Rapper Presto, der letztes Jahr an der Seite von Silla mit »Barrio« einen echten Sommerhit abgeliefert hat. »Ich bleib‘ bei dir, auch wenn wir verlieren / solange du willst, bleibe ich dein Schutzschild«, singt Ansen auf der Single und rappt im Anschluss: »Wenn die Welt gerade einbricht, du denkst, dass du alleine bist, dreh dich einfach um, ich mach daraus kein Geheimnis: Zu zweit sind wir stärker als der Rest / und jeder kriegt Stress, wenn er dich anfässt.«

»Bei dir« ist ein Song, der das Gefühl beschreibt, jemandem so verbunden zu sein, dass der Beschützerinstinkt geweckt wird. »Ich habe das Lied für meinen besten Freund geschrieben, Presto für seine Freundin – aber genauso wird jede Mutter die Message auf ihr Kind bezogen auch nachvollziehen können«, sagt Ansen. Verständlich, dass mittlerweile schon die ersten großen Labels bei Ansen angeklopft und Interesse bekundet haben….